Alte Artikel von Streiflichter







Gegen das organisierte Vergessen

In der bürgerlichen Öffentlichkeit altern Nachrichten schneller, als sich die gesellschaftlichen Widersprüche verändern. Das Archiv »Alte Artikel« entreißt Ereignisse dieser organisierten Erinnerungslosigkeit. Es zeigt, wie Aufrüstung, Sozialabbau, Repression und internationale Machtpolitik aus denselben Klassenverhältnissen hervorgehen, und ergreift Partei für die Arbeiterklasse und die Opfer imperialistischer Gewalt.

Chronik einer verschärften Gegenwart

Was gestern die Schlagzeilen beherrschte, wird heute verdrängt. Die Ware Nachricht muss ständig durch eine neue ersetzt werden; zurück bleiben isolierte Ereignisse ohne gesellschaftlichen Zusammenhang. Kriegs- und Sozialpolitik erscheinen als Sachzwänge, Repression und Rechtsruck als Einzelfälle. Diese Zerstückelung verdeckt die Interessen der herrschenden Klasse. Das Archiv durchbricht sie, indem es Entwicklungen in ihren historischen Zusammenhang zurückstellt.

Die Monatsarchive seit 2025 dokumentieren eine Phase verschärfter Klassenherrschaft: Aufrüstung, Wehrpflicht und die Militarisierung ziviler Bereiche. Gleichzeitig werden Beschäftigte unter Druck gesetzt, soziale Leistungen beschnitten, Wohnraum verteuert und das Gesundheitswesen der Profitlogik unterworfen. Die Zeitenwende ist kein Schicksal, sondern ein von oben betriebener Umbau zugunsten des Monopolkapitals.

Kriegspolitik ist Klassenpolitik

Die Beiträge erklären Krieg aus Märkten, Rohstoffen, Transportwegen, Kapitalexport und dem Kampf um Einflusszonen. Im Imperialismus verschmelzen Industrie- und Bankkapital zur Macht einer Finanzoligarchie, die den Staat zur weltweiten Sicherung ihrer Geschäfte benötigt. Ob Ukraine, Gaza, Iran, Syrien oder Ostsee: Krieg ist die gewaltsame Fortsetzung der Konkurrenz um die Aufteilung der Welt.

Die Arbeiterklasse bezahlt diese Konkurrenz. Sie finanziert Waffenprogramme durch Steuern und Kürzungen, trägt steigende Preise und unsichere Arbeitsplätze und soll selbst das Menschenmaterial der Kriege liefern. Zwischen Arbeitern, Erwerbslosen und Jugendlichen einerseits sowie Rheinmetall, Banken und Vermögensbesitzern andererseits gibt es kein gemeinsames nationales Interesse. Militarisierung ordnet gesellschaftliche Bedürfnisse den Verwertungs- und Machtinteressen des Kapitals unter.

Staat, Banken und Konzernmacht

Das Archiv stellt die Eigentumsfrage. Millionen Arbeiter schaffen gemeinsam den gesellschaftlichen Reichtum, doch eine kleine Eigentümerklasse eignet ihn sich an. Die Produktion ist gesellschaftlich, die Verfügung über ihre Ergebnisse bleibt privat. Aus diesem Grundwiderspruch entstehen Ausbeutung, Krisen und die Konzentration des Kapitals. Ein wirklicher Bruch verlangt deshalb gesellschaftliches Eigentum an den entscheidenden Produktionsmitteln.

Der bürgerliche Staat steht nicht über den Klassen. Er sichert die Kapitalverwertung und damit die Herrschaft der Bourgeoisie. Wahlen können Kräfteverhältnisse verändern, heben die ökonomische Macht aber nicht auf. BlackRock und Rheinmetall verkörpern die Verbindung von Kapital und Staatsmacht. Der Staat schützt Eigentum, übernimmt unternehmerische Risiken und wälzt Verluste auf die Mehrheit ab. Wenn Banken oppositionelle Organisationen durch Kontokündigungen lähmen, wird private Verfügung über gesellschaftliche Infrastruktur zur politischen Waffe.

Der autoritäre Umbau nach innen

Aufrüstung nach außen und Repression nach innen sind zwei Seiten derselben Entwicklung. Eine auf Krieg und verschärfte Ausbeutung vorbereitete Gesellschaft muss Streiks begrenzen, Widerstand überwachen und oppositionelle Stimmen delegitimieren. Der staatliche Gewaltapparat schützt nicht unterschiedslos alle, sondern die bestehende Eigentums- und Klassenordnung. In der Krise tritt dieser Charakter offen hervor.

Deshalb stehen Berichte über Polizeigewalt, Berufsverbote, politische Gefangene, Kontokündigungen und Zensur neben Analysen über NATO-Manöver und Rüstungshaushalte. Der Fall Maja T. und tödliche Polizeieinsätze zeigen die Stoßrichtung: Antifaschisten, Kriegsgegner, Journalisten und organisierte Linke werden zum Sicherheitsproblem erklärt, während die Konzernmacht unangetastet bleibt. Mit äußeren Bedrohungen begründete Ausnahmeinstrumente werden zu dauerhaften Mitteln der Herrschaft im Inneren.

Faschismus fällt nicht vom Himmel

Faschistische Bewegungen wachsen aus kapitalistischen Krisen. Wenn parlamentarische Formen die Unterordnung der Arbeiterklasse nicht mehr zuverlässig sichern, drängen Teile des Kapitals auf offene autoritäre Herrschaft. Soziale Unsicherheit wird nicht gegen die Eigentümer, sondern gegen Migranten, Erwerbslose, Minderheiten und politische Gegner gelenkt. Nationalismus ersetzt Klassenbewusstsein, Rassismus spaltet die Ausgebeuteten, Antikommunismus trifft ihre konsequentesten Organisationen.

Die AfD ist keine Gegenmacht zum Establishment, sondern verbindet Nationalismus, Unternehmerinteressen, Sozialabbau und Militarismus. Doch die Gefahr beschränkt sich nicht auf sie. Wenn Union, SPD, Grüne und Teile der Linken Aufrüstung durchsetzen, Grundrechte relativieren und Feindbilder übernehmen, treiben sie die autoritäre Entwicklung voran. Ein Antifaschismus, der Kapitalherrschaft, Imperialismus und Krieg ausblendet, bleibt moralische Dekoration. Wirksam wird er als organisierter Kampf gegen die Verhältnisse, die den Faschismus hervorbringen.

Erinnerung als gesellschaftlicher Konflikt

Die Befreiung vom deutschen Faschismus, die Rolle der Roten Armee, Buchenwald, Seelow und die Elbe sowie der kommunistische Widerstand sind keine abgeschlossene Vergangenheit. Wo die Rolle der Sowjetunion verdrängt, ihre Vertreter von Gedenkveranstaltungen ausgeschlossen und Täter und Befreier gleichgesetzt werden, wird Geschichte für neue Konfrontationen zugerichtet. Die Umdeutung des 8. und 9. Mai begleitet den erneuten deutschen Machtanspruch gegenüber Russland und verdrängt, wohin Antikommunismus und Militarismus geführt haben.

Die Erinnerung an Ernst Thälmann, Karl Liebknecht, verfolgte Kommunisten, das KPD-Verbot und die antifaschistischen Traditionen der DDR bewahrt das Gedächtnis einer Klasse, die sich organisierte, Widerstand leistete und um politische Macht kämpfte. Zugleich macht sie die Kontinuität des Antikommunismus in der Bundesrepublik sichtbar. Erinnerung wird zur materiellen Kraft, wenn sie Klassenbewusstsein stärkt.

Internationale Solidarität statt westlicher Doppelmoral

Beiträge zu Palästina und Gaza, Kuba und Venezuela, Iran und Syrien, zu Kurden, Chile und Vietnam untersuchen Sanktionen, Blockaden, Interventionen und Regimewechsel als Werkzeuge imperialistischer Herrschaft. Kapitalexport, Verschuldung und ungleicher Tausch setzen fort, was früher durch Kolonialverwaltung erzwungen wurde. Menschenrechte dienen als selektive Legitimation: Verbrechen verbündeter Staaten werden relativiert, Gegner des westlichen Machtblocks mit Sanktionen und Gewalt überzogen.

Internationalismus bedeutet weder Unterordnung unter die eigene Bourgeoisie noch Gefolgschaft für einen konkurrierenden Machtblock. Sein Maßstab sind die Interessen der arbeitenden und unterdrückten Menschen. Solidarität mit Palästina, Kuba und Venezuela richtet sich gegen Besatzung, Blockade und Unterordnung. Sie verbindet antikoloniale Kämpfe mit der Aufgabe, der eigenen herrschenden Klasse in den Arm zu fallen. Der Gegner sitzt auch in den Konzernzentralen, Ministerien und Kommandostäben des eigenen Landes.

Die soziale Frage kehrt zurück

Wohnungsnot, Pflegenotstand, Umweltzerstörung und prekäre Beschäftigung sind keine unabhängigen Missstände. Sie folgen einer Produktionsweise, in der Arbeitskraft zur Ware wird und Bedürfnisse nur zählen, wenn ihre Befriedigung Profit verspricht. Gewinn und Akkumulation beruhen auf der Aneignung der von den Arbeitern geschaffenen Mehrarbeit. Entlassungen vergrößern die Reserve verfügbarer Arbeitskräfte, drücken Löhne und erhöhen den Druck auf die Beschäftigten.

Kürzungen bei Gesundheit, Bildung, Pflege und Wohnen verlagern weitere Lasten auf Arbeiterfamilien und besonders auf Frauen. Zugleich verschlingt die Kriegswirtschaft gewaltige Ressourcen. Eine soziale und ökologische Wende verlangt mehr als Umverteilung: Banken, Schlüsselindustrien, Energie, Wohnen und Verkehr müssen der privaten Profitentscheidung entzogen und unter gesellschaftliche Kontrolle gestellt werden. Der 1. Mai und der 8. März sind Kampftage einer Klasse, der kein Recht geschenkt wurde.

Zwischen Anpassung und Widerstand

Das Archiv fragt nach der Einbindung der Arbeiterbewegung, dem Scheitern reformistischer Hoffnungen und der Anpassung von Parteien und Gewerkschaftsapparaten. Reformen können das Leben verbessern, doch sie sind Ergebnisse von Klassenkämpfen und bleiben ohne organisierte Gegenmacht widerrufbar. Wo Gewerkschaftsführungen Standortinteressen und Aufrüstung übernehmen, ordnen sie die Arbeiter dem Kapital unter. Wer die Eigentumsfrage vertagt, akzeptiert den Rahmen bürgerlicher Herrschaft.

Aus dieser Kritik folgt keine Resignation. Demonstrationen, Schulstreiks und Solidaritätskampagnen zeigen vorhandenen Widerspruch. Doch spontane Empörung schafft noch keine Gegenmacht. Sie benötigt Klassenbewusstsein, revolutionäre Theorie und eine dauerhafte Organisation, die Abwehrkämpfe mit dem Ziel gesellschaftlicher Umwälzung verbindet. Wer Krieg bekämpfen will, muss seine kapitalistischen Grundlagen angreifen. Wer Faschismus zurückdrängen will, muss die Arbeiterklasse zum selbständigen Kampf um politische Macht befähigen.

Ein Archiv für die Kämpfe der Gegenwart

Alte Artikel sind nicht wichtig, weil jede Einschätzung unverändert gültig bliebe. Ihr Wert besteht darin, Entwicklungen nachzuvollziehen, Behauptungen zu prüfen und die Bewegung der Klassengegensätze sichtbar zu machen. Hinter wechselnden Regierungen und Kriegsschauplätzen erscheint dieselbe Struktur: Gesellschaftliche Arbeit erzeugt den Reichtum, eine kleine Eigentümerklasse eignet ihn sich an, und der Staat sichert diese Aneignung nach innen wie die Expansion des Kapitals nach außen.

Gegen diese Herrschaft steht die bewusste Erinnerung. Das Archiv ist kein Mausoleum vergangener Debatten, sondern ein Mittel politischer Aufklärung. Seine Texte können helfen, aus Unzufriedenheit Klassenbewusstsein, aus Protest Organisation und aus Abwehr den Kampf um eine Gesellschaft zu entwickeln, in der die Produzenten gemeinsam über Produktion, Reichtum und Zukunft entscheiden.

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