Chile 1973: Der Militärputsch und die US-Intervention gegen Allende





Chile 1973: Der Militärputsch und die US-Intervention gegen Allende

Am 11. September 1973 stürzte das chilenische Militär die demokratisch legitimierte Regierung Salvador Allendes. Allende starb während des Angriffs auf den Präsidentenpalast La Moneda durch Suizid. Sein Tod war jedoch die unmittelbare Folge des militärischen Staatsstreichs. Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, wie Allende starb, sondern auch, welche Rolle die Vereinigten Staaten und insbesondere die CIA bei der Destabilisierung Chiles spielten.

Die CIA führte den Putsch vom 11. September 1973 nicht nachweislich selbst durch. Die militärische Operation lag in den Händen der chilenischen Streitkräfte. Diese Feststellung darf jedoch nicht zur Entlastung der USA dienen. Washington war nicht bloß Zuschauer einer innerchilenischen Krise. Die US-Regierung und ihre Geheimdienste arbeiteten seit Jahren daran, die Regierung Allende zu verhindern, zu schwächen und schließlich durch eine antikommunistische Militärherrschaft zu ersetzen. Die CIA unterstützte oppositionelle Kräfte, förderte wirtschaftlichen Druck, finanzierte Medienkampagnen und unterhielt Kontakte zu chilenischen Militärs. Sie war damit ein aktiver Bestandteil der politischen und wirtschaftlichen Konterrevolution gegen die Unidad Popular.

Der Putsch war deshalb weder ausschließlich ein von außen gesteuerter US-amerikanischer Vorgang noch ein rein innerchilenisches Ereignis. Die unmittelbaren Täter waren chilenische Generäle, Soldaten und Sicherheitskräfte. Die USA schufen jedoch über Jahre hinweg Bedingungen, unter denen der Sturz der Regierung möglich und für die herrschenden Klassen durchsetzbar wurde. Die CIA war dabei das wichtigste Instrument der verdeckten Intervention.

Allendes Wahlsieg und die Reaktion Washingtons

Salvador Allende gewann die Präsidentschaftswahl im September 1970 mit rund 36 Prozent der Stimmen. Da er keine absolute Mehrheit erreicht hatte, musste der Kongress seine Wahl bestätigen. Nach dieser Bestätigung trat er im November 1970 sein Amt an. Die Unidad Popular, ein Bündnis aus Sozialisten, Kommunisten und weiteren linken Parteien, wollte innerhalb der bestehenden Verfassungsordnung einen Übergang zum Sozialismus einleiten.

Dieses Programm bedrohte nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die gesellschaftliche Stellung der chilenischen Bourgeoisie und ausländischer Konzerne. Die Regierung verstaatlichte den Kupferbergbau, erweiterte die staatliche Kontrolle über Banken und Industrieunternehmen und beschleunigte die Agrarreform. Damit wurde die Eigentumsfrage zum Zentrum des politischen Konflikts. Wer über Kupferminen, Banken, Fabriken und Land verfügte, verfügte auch über die wirtschaftliche Zukunft des Landes.

Für die USA war Chile deshalb nicht bloß ein innenpolitischer Konfliktfall. Washington befürchtete, dass ein demokratisch gewähltes sozialistisches Regierungsprojekt in Lateinamerika als Vorbild wirken könnte. Gerade seine demokratische Legitimation machte es politisch gefährlich: Es zeigte, dass ein sozialer und wirtschaftlicher Umbau auch auf parlamentarischem Weg versucht werden konnte. Die US-Regierung verteidigte daher nicht abstrakt die Demokratie, sondern die bestehende Eigentumsordnung.

Die CIA soll Allendes Amtsantritt verhindern

Bereits am 15. September 1970 traf US-Präsident Richard Nixon mit CIA-Direktor Richard Helms und Sicherheitsberater Henry Kissinger zusammen. Helms hielt in seinen Notizen fest, dass Nixon Allendes Amtsübernahme verhindern wollte. Die CIA erhielt den Auftrag, alle verfügbaren Mittel einzusetzen. Dazu gehörten politischer Druck, wirtschaftliche Maßnahmen und Kontakte zu chilenischen Militärs.

Die US-Regierung verfolgte zwei Strategien. Der sogenannte „Track I“ sollte auf politischem Weg verhindern, dass der Kongress Allende bestätigte. Der „Track II“ zielte auf eine militärische Lösung. Die CIA nahm Kontakt zu Offizieren auf, die bereit waren, gegen die verfassungsmäßige Ordnung vorzugehen.

Ein wichtiger Gegner dieser Pläne war General René Schneider, der Oberbefehlshaber des chilenischen Heeres. Schneider vertrat die Auffassung, dass die Streitkräfte sich aus der Politik heraushalten und die Entscheidung des Kongresses respektieren müssten. Die CIA unterstützte Gruppen, die Schneider entführen wollten, und stellte Waffen und Geld bereit. Bei einem Entführungsversuch am 22. Oktober 1970 wurde Schneider schwer verletzt und starb wenige Tage später.

Die CIA hatte keinen nachgewiesenen direkten Auftrag erteilt, Schneider zu ermorden. Dennoch hatte sie eine Gruppe bewaffnet und unterstützt, die einen gewaltsamen Umsturz vorbereitete. Die Verantwortung der USA liegt daher mindestens in der Förderung einer militärischen Verschwörung gegen die chilenische Verfassungsordnung.

Der Plan scheiterte. Allende wurde vom Kongress bestätigt und trat sein Amt an. Damit endete die US-Intervention jedoch nicht. Sie wechselte lediglich ihre Form: Aus dem Versuch, die Regierungsübernahme unmittelbar zu verhindern, wurde der Versuch, die Regierung wirtschaftlich zu strangulieren, politisch zu isolieren und gesellschaftlich zu delegitimieren.

Wirtschaftlicher Druck als Instrument der CIA

Nach Allendes Amtsantritt setzte Washington auf wirtschaftliche und politische Destabilisierung. US-Kredite wurden eingeschränkt, internationale Finanzhilfen sollten erschwert werden. Die Strategie wurde später mit dem Satz beschrieben, man wolle die chilenische Wirtschaft „zum Schreien bringen“.

Die Bevölkerung sollte die wirtschaftlichen Folgen der politischen Entscheidung zu spüren bekommen: durch Inflation, Versorgungsprobleme, Arbeitslosigkeit und Unsicherheit. Chile hatte zwar auch unabhängig von der US-Politik mit Inflation, Produktionsproblemen und politischen Konflikten zu kämpfen. Die Wirtschaftspolitik der Unidad Popular war widersprüchlich, und die Regierung verfügte nicht über vollständige Kontrolle über Banken, Unternehmen, Handel und internationale Finanzströme. Die US-Politik verschärfte diese Probleme jedoch bewusst. Sie machte aus inneren Widersprüchen eine systematische Krise.

Die wirtschaftliche Destabilisierung war ein Angriff auf die soziale Basis der Regierung. Die Unidad Popular hatte ihre Unterstützung besonders unter Arbeiterinnen und Arbeitern, Bauern und den städtischen Armen. Wenn Versorgung und Beschäftigung unsicher wurden, sollte sich der Unmut gegen die Regierung richten. Die Eigentümer konnten ihre wirtschaftliche Macht nutzen, um die Regierung zu blockieren, während die Bevölkerung die Folgen dieser Blockade tragen musste.

Die CIA unterstützte außerdem oppositionelle Parteien, Organisationen und Medien. Besonders wichtig war die Zeitung El Mercurio, die sich zu einem zentralen Sprachrohr der Opposition entwickelte. Die CIA finanzierte oppositionelle Medien und unterstützte Kampagnen, die Allende als unfähig, autoritär und wirtschaftlich zerstörerisch darstellten. Die Medienarbeit sollte die Regierung delegitimieren und die gesellschaftliche Zustimmung zu einem möglichen Militärputsch erhöhen.

Die CIA und die chilenische Opposition

Die CIA unterstützte ein breites Netzwerk oppositioneller Kräfte. Dazu gehörten Unternehmerverbände, konservative Parteien, Medien und gesellschaftliche Organisationen. Ziel war es, die Regierung politisch zu isolieren und die Konflikte im Land zu verschärfen.

Unternehmer konnten Investitionen zurückhalten, Waren aus dem Verkehr ziehen, Lieferketten unterbrechen und ihre Verbände zur politischen Mobilisierung einsetzen. Die Opposition konnte dadurch eine Krise erzeugen und anschließend behaupten, die Regierung sei unfähig, diese Krise zu lösen.

Ein Beispiel war der Streik der Lastwagenbesitzer im Oktober 1972. Er legte wichtige Verkehrswege lahm und verschärfte die Versorgungskrise. Die CIA unterstützte oppositionelle Gruppen finanziell, auch wenn ihre genaue Rolle bei einzelnen Aktionen unterschiedlich bewertet wird. Sicher ist, dass Washington die Gegner Allendes mit Geld und politischer Unterstützung versorgte.

Der Streik war nicht einfach ein spontaner Ausdruck gesellschaftlicher Unzufriedenheit. Er war Teil eines politischen Kampfes, in dem wirtschaftliche Infrastruktur als Waffe eingesetzt wurde. Wenn Lastwagen stillstanden und Waren nicht transportiert wurden, traf dies vor allem die Bevölkerung. Die Unternehmer konnten die daraus entstehende Not anschließend als Beweis für das Scheitern der Regierung präsentieren.

Die Grenzen des parlamentarischen Weges

Die Unidad Popular wollte den Sozialismus auf parlamentarischem Weg einleiten. Dieser Weg hatte eine demokratische Legitimation, war aber mit grundlegenden Widersprüchen konfrontiert. Die Regierung gewann die Präsidentschaft, verfügte jedoch nicht über eine eigene Mehrheit im Kongress. Sie musste Reformen innerhalb eines Staatsapparats durchsetzen, dessen Institutionen weiterhin von den alten gesellschaftlichen Machtverhältnissen geprägt waren.

Die Eigentümer behielten wirtschaftliche Macht, die Opposition kontrollierte wichtige Medien, und die Streitkräfte blieben institutionell eigenständig. Die Regierung konnte Unternehmen verstaatlichen, aber nicht automatisch verhindern, dass Kapital abgezogen, Produktion sabotiert oder Versorgungsketten unterbrochen wurden. Auch innerhalb der Linken bestanden unterschiedliche Vorstellungen über Tempo und Reichweite des Umbaus. Teile der Arbeiterbewegung drängten auf eine weitergehende Kontrolle der Betriebe und eine stärkere Mobilisierung von unten. Andere Kräfte wollten die bestehenden Institutionen schonen und eine Verständigung mit der Christdemokratie erreichen.

Die Regierung war politisch geschwächt, aber nicht bedeutungslos. Sie verfügte weiterhin über breite gesellschaftliche Unterstützung. Gerade deshalb konnte die Opposition sie nicht einfach durch Wahlen beseitigen. Der Konflikt wurde zunehmend außerhalb der normalen parlamentarischen Verfahren ausgetragen. Die herrschenden Klassen akzeptierten die Demokratie nur so lange, wie sie ihre Eigentumsverhältnisse nicht gefährdete.

Die Parlamentswahl von 1973

Trotz der Krise verlor die Unidad Popular ihre gesellschaftliche Unterstützung nicht vollständig. Bei den Parlamentswahlen im März 1973 erhielt sie rund 43 Prozent der Stimmen. Die Opposition gewann zwar mehr Stimmen, verfehlte aber die notwendige Zweidrittelmehrheit, um Allende verfassungsgemäß abzusetzen.

Das Wahlergebnis zeigte, dass Chile tief gespalten war, aber keine eindeutige Mehrheit für einen Militärputsch existierte. Die Regierung war politisch geschwächt, jedoch weiterhin demokratisch legitimiert. Die Opposition konnte Allende nicht auf parlamentarischem Weg stürzen. Für die Militärs und ihre Unterstützer wurde der Putsch deshalb zur Alternative zur demokratischen Auseinandersetzung.

Freigegebene Dokumente zeigen, dass die US-Regierung über die Vorbereitungen chilenischer Militärs informiert war. Ein eindeutiger Beleg dafür, dass die CIA den konkreten Operationsplan vom 11. September 1973 entwarf oder den Angriff direkt befahl, liegt jedoch nicht vor. Das Fehlen eines solchen Befehls entlastet die USA nicht von ihrer politischen Verantwortung. Ein Staatsstreich entsteht nicht erst in dem Moment, in dem Panzer auffahren. Er wird durch die Zerstörung demokratischer Legitimität, wirtschaftliche Not, die Finanzierung oppositioneller Kräfte und die Vorbereitung militärischer Optionen ermöglicht.

Die Rolle der CIA beim Putsch selbst

Am 11. September 1973 erhoben sich Heer, Marine, Luftwaffe und Carabineros gegen die Regierung. Die Streitkräfte bombardierten den Präsidentenpalast La Moneda. Allende lehnte eine Kapitulation ab und hielt sich mit Unterstützern im Palast auf. Während des Angriffs nahm er sich das Leben.

Die militärische Durchführung des Putsches lag bei den chilenischen Streitkräften. Augusto Pinochet, der erst wenige Wochen zuvor Oberbefehlshaber des Heeres geworden war, übernahm die Führung der Junta. Die CIA führte die Truppen nicht und war nicht nachweislich direkt an der Bombardierung La Monedas beteiligt.

Ihre Rolle bestand vor allem darin, die Voraussetzungen für den Putsch zu schaffen. Sie hatte seit 1970 versucht, Allendes Amtsantritt zu verhindern, Militärs kontaktiert, oppositionelle Parteien und Medien unterstützt und wirtschaftlichen Druck gefördert. Dadurch trug sie dazu bei, die demokratische Regierung zu schwächen und ein politisches Klima zu schaffen, in dem ein Militärputsch möglich wurde.

Die spätere Behauptung, die USA hätten den Putsch nicht selbst durchgeführt, ist daher formal richtig, greift aber politisch zu kurz. Die chilenischen Generäle waren die unmittelbaren Täter des Staatsstreichs. Die US-Regierung und die CIA hatten jedoch über Jahre hinweg an der Destabilisierung gearbeitet und standen der Machtübernahme nicht entgegen.

Unterstützung der Diktatur

Nach dem Putsch unterstützte Washington die neue Militärregierung politisch. Die USA erkannten die Junta an und verbesserten ihre Beziehungen zu Chile. Zwar gab es innerhalb der US-Regierung auch Kritik an den Menschenrechtsverletzungen, doch der antikommunistische Charakter des Regimes blieb für Washington entscheidend.

1976 traf US-Außenminister Henry Kissinger Augusto Pinochet in Santiago. Das Gesprächsprotokoll zeigt, dass Kissinger der Junta grundsätzlich wohlwollend gegenüberstand. Er erklärte, die USA wollten helfen, und äußerte Verständnis für die antikommunistische Politik des Regimes. Zu diesem Zeitpunkt waren Verhaftungen, Folter, Hinrichtungen und das Verschwindenlassen politischer Gegner bereits bekannt.

Die Unterstützung der Diktatur machte deutlich, dass die US-Politik nicht primär von demokratischen Prinzipien bestimmt war. Entscheidend war, dass Chile nicht länger ein sozialistisches Regierungsprojekt verfolgte. Die Militärregierung beseitigte die Linke, unterdrückte Gewerkschaften und öffnete die Wirtschaft für private Investitionen.

Die Repression war kein bloßer Nebeneffekt des Putsches. Sie war eine Voraussetzung für den wirtschaftlichen Umbau. Parteien, Gewerkschaften, Betriebsorganisationen und linke Medien wurden verboten oder zerschlagen. Die Bevölkerung verlor nicht nur politische Rechte, sondern auch die kollektiven Mittel, mit denen sie sich gegen Entlassungen, Lohnsenkungen, Privatisierungen und soziale Kürzungen hätte wehren können.

CIA, Repression und Operation Condor

Die chilenische Diktatur verfolgte politische Gegner im Inland und im Ausland. Geheimdienste arbeiteten mit anderen südamerikanischen Militärregimen zusammen. Diese Zusammenarbeit wurde als Operation Condor bekannt und diente der Überwachung, Entführung und Ermordung politischer Gegner über Staatsgrenzen hinweg.

Die CIA war nicht für jedes Verbrechen der chilenischen Geheimdienste verantwortlich. Sie verfügte jedoch über Kontakte und Informationen über die Sicherheitsapparate der Region. Die US-Regierung wusste von der systematischen Repression und setzte ihre Zusammenarbeit mit den Militärregimen dennoch fort.

Die Diktatur verhaftete, folterte und ermordete Tausende Menschen. Zehntausende wurden politisch verfolgt oder ins Exil gezwungen. Gewerkschaften und Parteien wurden zerschlagen, Medien zensiert und demokratische Institutionen aufgelöst. Die Gewalt richtete sich gezielt gegen die Linke und sollte verhindern, dass die sozialen Kräfte, die Allende getragen hatten, erneut politisch handlungsfähig wurden.

Operation Condor war die internationale Dimension dieser Konterrevolution. Die Militärregime Südamerikas koordinierten ihre Verfolgung von Exilierten und Oppositionellen. Der Antikommunismus diente als gemeinsame politische Sprache, doch hinter ihm stand die Verteidigung einer sozialen Ordnung, in der Land, Fabriken, Banken und Rohstoffe in den Händen einer kleinen Klasse und ausländischer Konzerne blieben.

Die wirtschaftliche Bedeutung der US-Intervention

Der Putsch veränderte auch die wirtschaftlichen Machtverhältnisse in Chile. Unter der Militärregierung wurden Privatisierungen durchgeführt, Zölle gesenkt, der öffentliche Sektor verkleinert und soziale Sicherungssysteme marktförmig umgebaut.

Ein wirtschaftliches Programm, das unter dem Namen El ladrillo bekannt wurde, diente als Grundlage für diese Politik. Mehrere der daran beteiligten Ökonomen, die später als „Chicago Boys“ bezeichnet wurden, übernahmen Funktionen unter Pinochet. Die Diktatur schuf die politischen Bedingungen, unter denen dieses Programm ohne parlamentarische Opposition und ohne freie Gewerkschaften umgesetzt werden konnte.

Die wirtschaftliche Neuordnung war kein neutraler Modernisierungsprozess. Sie verschob Einkommen und Eigentum zugunsten des Kapitals. Staatliche Unternehmen wurden privatisiert, soziale Leistungen gekürzt oder in Waren verwandelt, und die Verantwortung für zentrale Lebensbereiche wurde auf einzelne Haushalte abgewälzt. Wer über ausreichendes Einkommen verfügte, konnte sich Zugang zu Bildung, Gesundheit und Altersvorsorge kaufen. Wer dieses Einkommen nicht hatte, war stärker von Marktpreisen und privater Verschuldung abhängig.

Die CIA war nicht der Urheber jeder wirtschaftspolitischen Maßnahme der Diktatur. Ihre politische Intervention trug jedoch dazu bei, die Regierung zu beseitigen, die diese Maßnahmen verhindert oder anders gestaltet hätte. Der Putsch war daher nicht nur ein antikommunistischer Machtwechsel, sondern auch ein Eingriff in die sozialen und wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse des Landes.

Wer den Preis des Umbaus bezahlte

Die wirtschaftlichen Versprechen der neoliberalen Reformer erfüllten sich nicht für die gesamte Bevölkerung. 1982 geriet Chile in eine schwere Wirtschaftskrise. Die Nationalbibliothek beziffert den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf 14,3 Prozent und die Arbeitslosigkeit auf 23,7 Prozent. Der Staat intervenierte im Bankensektor. Zur Stabilisierung des Finanzsystems blieb öffentliche Macht gefragt, während Beschäftigte Arbeit und Einkommen verloren.

Die Krise zeigte den Klassencharakter der Wirtschaftspolitik. Wenn Banken und Unternehmen in Schwierigkeiten gerieten, konnte der Staat eingreifen und Verluste auffangen. Wenn Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Arbeit verloren oder Familien ihre soziale Absicherung einbüßten, wurde ihnen dagegen Anpassung zugemutet. Der Markt galt als unantastbar, solange er Gewinne verteilte; sobald er Verluste erzeugte, wurde der Staat zur Rettung des Kapitals eingesetzt.

Die Krise löste neue Gegenwehr aus. Ab 1983 gewannen landesweite Proteste und gewerkschaftliche Organisierung an Kraft; das Regime reagierte mit Gewalt. Soziale Widersprüche ließen sich unterdrücken, aber nicht dauerhaft beseitigen. Die Arbeiterbewegung war geschwächt, aber nicht verschwunden.

Die politische Bedeutung des 11. September

1988 scheiterte Pinochet im Referendum über seine weitere Amtszeit. Im März 1990 übergab er das Präsidentenamt an Patricio Aylwin. Seine militärische Stellung behielt er zunächst: Bis 1998 blieb er Oberbefehlshaber des Heeres. Das Ende der Diktatur beseitigte somit nicht auf einen Schlag die Machtpositionen, die sie geschaffen hatte.

Auch der Übergang zur parlamentarischen Demokratie bedeutete keine vollständige Rückkehr zu den gesellschaftlichen Bedingungen vor 1973. Die wirtschaftlichen Reformen blieben in wesentlichen Bereichen bestehen. Die politische Demokratie wurde wiederhergestellt, während die durch die Diktatur veränderten Eigentumsverhältnisse weitgehend fortbestanden. Die Arbeiterbewegung erhielt wieder Handlungsspielräume, musste aber unter Bedingungen kämpfen, die durch Privatisierung, Prekarisierung und soziale Ungleichheit geprägt waren.

Der 11. September 1973 war deshalb ein Wendepunkt in der Geschichte des chilenischen Kapitalismus. Die Diktatur beseitigte nicht nur eine Regierung, sondern zerstörte ein politisches Projekt, das die gesellschaftliche Verfügung über Reichtum und Produktion verändern wollte. Sie machte Chile zu einem Labor für eine Wirtschaftsordnung, die später weltweit als neoliberales Modell propagiert wurde.



Die Erinnerung an Allende und die Opfer der Diktatur verlangt, diese Zusammenhänge offenzulegen. Allendes Regierung war widersprüchlich, ihre Strategie des parlamentarischen Übergangs war verwundbar, und ihre wirtschaftspolitischen Entscheidungen waren nicht frei von Fehlern. Nichts davon rechtfertigt den Putsch.

Die chilenische Bourgeoisie, die Militärführung und der US-Imperialismus reagierten auf den Versuch, die Eigentumsverhältnisse demokratisch zu verändern, mit einer gewaltsamen Konterrevolution. Die CIA war dabei nicht der alleinige Urheber und nicht der unmittelbare militärische Vollstrecker. Sie war jedoch ein zentraler Organisator der internationalen Intervention, die den Boden für den Putsch bereitete und die neue Ordnung politisch absicherte.

Allendes Tod war die unmittelbare Folge des militärischen Angriffs auf den Präsidentenpalast und des gewaltsamen Sturzes seiner demokratisch gewählten Regierung. Die offizielle Feststellung eines Suizids darf die politische Verantwortung der Putschisten nicht verschleiern. Der Putsch war chilenischen Ursprungs, aber nicht unabhängig von der US-amerikanischen Einflussnahme. Die CIA kontrollierte die chilenische Politik nicht vollständig, half jedoch dabei, die demokratische Regierung zu schwächen und ihre Gegner zu stärken.

Die Geschichte des 11. September 1973 zeigt, dass ein Staatsstreich nicht erst mit dem Einmarsch von Soldaten beginnt. Er beginnt häufig früher: mit verdeckter Finanzierung, wirtschaftlichem Druck, politischer Manipulation, Medienkampagnen und der Unterstützung von Kräften, die bereit sind, die demokratische Ordnung zu beseitigen. In Chile spielte die CIA in diesem Prozess eine entscheidende Rolle.

Noch grundlegender zeigt der Fall Chile, dass die Demokratie unter kapitalistischen Eigentumsverhältnissen eine Grenze besitzt. Sobald eine Regierung versucht, die Verfügung über zentrale Produktionsmittel zu verändern und die arbeitende Bevölkerung zu stärken, greifen die herrschenden Klassen zu anderen Mitteln. In Chile waren diese Mittel wirtschaftliche Sabotage, imperialistische Intervention, militärischer Terror und die Errichtung einer Diktatur.

Der 11. September 1973 war daher nicht nur der Tag, an dem eine Regierung gestürzt wurde. Er war der Tag, an dem die chilenische Bourgeoisie mit Unterstützung des US-Imperialismus die demokratische Form ihrer eigenen Herrschaft aufgab, um ihre soziale Herrschaft zu retten.

Streiflichter


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