Die Geschichte des deutschen Faschismus: Herrschaft, Krieg und Vernichtung
Die Geschichte des deutschen Faschismus: Herrschaft, Krieg und Vernichtung
Der deutsche Faschismus hatte seine Vorgeschichte
in den Expansionsinteressen des Kaiserreichs, im Kampf gegen die
Arbeiterbewegung und in völkischen Feindbildern. Sein Aufstieg verband
wirtschaftliche Herrschaftsansprüche mit rassistischer Mobilisierung und
breiter Gefolgschaft. Hinter dem Kult um Adolf Hitler standen gesellschaftliche
Kräfte, die den Weg in Diktatur, Krieg und Vernichtung mitbereiteten.
Die
Vorgeschichte liegt vor Hitler
Die Vorgeschichte des deutschen Faschismus reicht
bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zurück. Nach Reichseinigung,
Gründerkrach von 1873 und anschließender Depression konzentrierte sich
wirtschaftliche Macht zunehmend bei großen Industrieunternehmen und Banken.
Ihre Verflechtung stärkte das Finanzkapital, für das neben dem Warenexport auch
profitable Kapitalanlagen im Ausland immer wichtiger wurden.
Das Deutsche Reich stieg rasch zu einer führenden
Industriemacht auf, begann aber erst 1884 mit aktiver Kolonialpolitik. Sein
Ausdehnungsdrang stieß auf die Einflusssphären älterer Kolonialmächte,
insbesondere Großbritanniens und Frankreichs. Aus dem Missverhältnis zwischen
gewachsener Wirtschaftskraft und begrenztem Kolonialbesitz erwuchs das
Interesse an gewaltsamer Neuverteilung.
Nationalismus
als Verpflichtung zum Gehorsam
Kriegspolitik brauchte eine Bevölkerung, die
Aufrüstung, Entbehrungen und militärische Opfer mittrug. Die Interessen
mächtiger Wirtschaftsgruppen mussten deshalb als gemeinsame Sache der Nation
erscheinen. Gerade die Arbeiter sollten sich für Ziele einsetzen, über deren
Formulierung sie nicht entschieden.
Eine wichtige Rolle übernahm der 1891 gegründete
Alldeutsche Verband. Zu seinen Initiatoren gehörten Alfred Hugenberg und der
Kolonialakteur Carl Peters, dessen Wirken mit der gewaltsamen deutschen
Expansion in Ostafrika verbunden war. Der Verband verknüpfte schwerindustrielle
Interessen mit expansionsorientierten Handelskreisen und kolonialen Akteuren.
Lehrer, Professoren, Pfarrer und Journalisten sollten seine Vorstellungen in
der Bevölkerung verankern. Die Werbung für Weltmachtpolitik reichte dadurch
weit über die unmittelbar interessierten Unternehmerkreise hinaus.
Damit veränderte sich der Nationalgedanke. Soweit
der ältere Liberalismus nationale Einheit mit Freiheitsrechten und dem Recht
anderer Nationen auf Eigenstaatlichkeit verbunden hatte, verlangte der
imperialistische Nationalismus ihre Unterordnung. Friedrich Naumann
rechtfertigte 1908 die Zerstörung der nationalen Freiheit kleinerer Völker als
Voraussetzung des kulturellen Fortschritts und unterschied zwischen führenden
und geführten Nationen. Im Inneren forderte dieser Nationalismus Gehorsam. Wer
soziale Rechte verteidigte oder Kriegsvorbereitungen kritisierte, konnte zum
Feind der Nation erklärt werden. Expansion nach außen und Reaktion nach innen
stützten einander.
Rassismus
macht Gewalt zum angeblichen Naturgesetz
Der Sozialdarwinismus lieferte dafür eine
Rechtfertigung. Er übertrug die Vorstellung eines unerbittlichen
Überlebenskampfes auf die Gesellschaft und erklärte die Durchsetzung des
Stärkeren zum Naturgesetz. Konkurrenz, Unterwerfung und Krieg erschienen dadurch
als unvermeidlich. Geschichtlich entstandene Machtverhältnisse wurden als
natürliche Ordnung ausgegeben.
Rassistische Lehren ergänzten dieses Weltbild um
eine angebliche Gemeinschaft über die Klassengrenzen hinweg. Zu ihren
einflussreichen Vorläufern gehörte Joseph Arthur de Gobineau, der zwischen 1853
und 1855 eine rassistische Geschichtsdeutung veröffentlichte und mit ihr
Gleichheit und Demokratie bekämpfte. Arbeiter und Unternehmer sollten sich in
der späteren nationalistischen Anwendung solcher Vorstellungen als biologisch
zusammengehörig verstehen und andere Bevölkerungen als minderwertig betrachten.
Die tatsächlichen Gegensätze um Eigentum, Arbeitszeit und Einkommen
verschwanden hinter erfundenen Rangordnungen von Menschen.
Der soziale
Betrug der völkischen Bewegung
Auch der Antisemitismus erhielt eine neue
Funktion. Ältere religiöse Judenfeindschaft verband sich mit wirtschaftlichen
Konkurrenzinteressen und aggressivem Nationalismus. Friedrich Ludwig Jahn und
Ernst Moritz Arndt verknüpften nationale Vorstellungen mit Judenfeindschaft;
Burschenschaften und Turnerbewegung gehörten zu deren gesellschaftlichen
Trägern. Wilhelm Marr, der Gründer der Antisemitenliga, erklärte die
Zugehörigkeit zum Judentum zu einer angeblich unveränderlichen biologischen
Eigenschaft. Auch Eugen Dühring vertrat eine rassistische Begründung des
Antisemitismus.
Menschen wurden nun aufgrund einer
zugeschriebenen Abstammung angegriffen. Zugleich verleumdeten Antisemiten
demokratische Ideen, internationale Solidarität und die Arbeiterbewegung als
Werk eines vermeintlichen jüdischen Einflusses. Insbesondere die Sozialdemokratie
wurde als Werkzeug dieser angeblichen Einflussnahme dargestellt. Sogar
internationale Finanzmacht und ihre sozialistischen Gegner konnten so derselben
erfundenen Verschwörung zugerechnet werden.
Die völkische Sozialdemagogie erkannte Ausbeutung
und Benachteiligung scheinbar an, lenkte die Kritik aber von den
Eigentumsverhältnissen auf einen rassistisch bestimmten Feind um. Unternehmer
deutscher Abstammung stellte sie als Produzenten im Dienst der Allgemeinheit
dar; Gewinnsucht und Rücksichtslosigkeit schrieb sie dem als jüdisch markierten
Kapital zu.
Die Frage, wer über Betriebe, Arbeit und Erträge
verfügte, wurde durch die Frage nach der Herkunft des Eigentümers ersetzt.
Seine Macht blieb unangetastet. Arbeiter sollten auf selbständigen Klassenkampf
verzichten und Expansion als gemeinsames Interesse begreifen. Die Aneignung
sozialistischer Begriffe diente damit der Bekämpfung einer Bewegung, die an den
tatsächlichen Herrschaftsverhältnissen ansetzte.
Nach 1918:
Gegenrevolution und Suche nach einer Massenbasis
Seit 1916 erschütterten Unzufriedenheit, Streiks
und Antikriegsdemonstrationen die Bindekraft des Nationalismus. Mit
Kriegsniederlage und Novemberrevolution verloren die kriegstragenden Kräfte
weiter an Ansehen. Die wirtschaftlich Herrschenden suchten neue Wege, ihre
Stellung gegen eine politisch bewegte Arbeiterschaft zu sichern.
Im Kampf gegen revolutionäre Bestrebungen fanden
unterschiedliche Gruppen des Großkapitals zusammen. Der Ruhrindustrielle Hugo
Stinnes und der mit der Deutschen Bank verbundene Karl Helfferich gehörten zu
den Initiatoren finanzieller Unterstützung für die Antibolschewistische Liga.
Aus diesem Zusammenhang wurde das Generalsekretariat zum Studium und zur
Bekämpfung des Bolschewismus unterhalten. Gelder flossen in antikommunistische
Propaganda und gegenrevolutionäre Aktivitäten, darunter die Unterstützung von
Freikorps und anderen Wehrverbänden sowie von Parteien, nationalistischen
Vereinen und Presseorganen.
Diese Zusammenarbeit beseitigte die
Interessengegensätze innerhalb des Kapitals nicht. Schon im Krieg hatten
Chemie- und Elektrokonzerne andere Prioritäten als maßgebliche Ruhrindustrielle
gesetzt. Um Ziele im Osten zu retten, waren erstere eher zum Verzicht auf
westliche Annexionen bereit. Ihre Gegner unterstützten 1917 die
nationalistische Sammlung in der Deutschen Vaterlandspartei. An deren Spitze
standen Wolfgang Kapp, Landschaftsdirektor in Ostpreußen, und Admiral Alfred
von Tirpitz.
Auch Hitlers Förderung war kein von Anfang an
einheitlicher Plan aller Unternehmer. Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch 1920
suchten antirepublikanische Kreise neue Führungsfiguren mit Wirkung auf die
Massen. Dietrich Eckart vermittelte Hitler Kontakte zur Berliner völkischen
Rechten und zu Emil Gansser, einem leitenden Angestellten des Siemenskonzerns
und Mitglied des Nationalen Klubs von 1919. Über dieses Netzwerk fand Hitler
Zugang zu dem Berliner Klub. Seine Auftritte dort brachten der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeiterpartei, der NSDAP, 1922 auch dauerhafte Unterstützung durch
Borsig. Zugleich orientierte sich Hitler an den Putschplanungen des Kreises um
Erich Ludendorff und Oberst Max Bauer.
Was die
Diktatur den Unternehmern bringen sollte
Den wirtschaftlichen Zweck einer Diktatur
verdeutlichte Hugo Stinnes 1922 mit einem Wiederaufbauplan für kriegszerstörte
Gebiete Frankreichs und Belgiens. Am 14. August schloss er mit dem
französischen Wiederaufbaubevollmächtigten Marquis de Lubersac das
Stinnes-Lubersac-Abkommen. Deutsche Unternehmen sollten die Arbeiten
übernehmen, sein Konzern für vermittelte Aufträge sechs Prozent Provision
erhalten. Zur Finanzierung war nach Stinnes’ Vorstellungen eine staatliche
Goldanleihe vorgesehen.
Deren Zinslast sollte die arbeitende Bevölkerung
tragen: zehn bis fünfzehn Jahre lang täglich zwei zusätzliche unbezahlte
Arbeitsstunden. Der Achtstundentag wäre durch einen Zehnstundentag ohne
entsprechenden Lohnausgleich ersetzt worden. Wirtschaftliche Gesundung
bedeutete in diesem Konzept den Zugriff auf Lebenszeit und Arbeitsleistung der
Beschäftigten.
Weil Stinnes den Widerstand von Arbeitern,
Gewerkschaften und Sozialdemokratie erwartete, leitete er aus seinem Programm
die Notwendigkeit einer Diktatur ab. Streikverbot, erzwungene Mehrarbeit und
der Verzicht auf soziale Ansprüche sollten ermöglichen, was parlamentarisch
kaum durchsetzbar schien. Politische Entrechtung war ausdrücklich das Mittel
eines wirtschaftlichen Vorhabens.
1923 verdichteten sich die Pläne zum Sturz der
Regierung Gustav Stresemann. Hoffnungen richteten sich auf den Chef der
Heeresleitung Hans von Seeckt; daneben bestanden Vorhaben für ein Vorgehen
bayerischer Wehrverbände und der Reichswehr unter Erich Ludendorff. In Bayern
erhielt Gustav von Kahr im September als Generalstaatskommissar diktatorische
Vollmachten. Reichspräsident Friedrich Ebert verhängte den militärischen
Ausnahmezustand, übertrug die vollziehende Gewalt jedoch Reichswehrminister
Gessler. In dieses Umfeld gehörte der Münchner Hitler-Ludendorff-Putsch vom
November. Militärische Machtpolitik verband sich mit dem Angriff auf die
gesellschaftliche Stellung der Arbeiterschaft.
Der Führerkult
verdeckt die Machtverhältnisse
Mit Hitlers Einzug in die Reichskanzlei am 30.
Januar 1933 durchdrang der Kult um ihn den öffentlichen Raum und den Alltag.
Straßen und Plätze trugen seinen Namen, Bilder standen in Amtsstuben und
Wohnungen. Propaganda und Schulbücher schrieben Erfolge seiner
außergewöhnlichen Begabung zu. Propagandaminister Joseph Goebbels inszenierte
die Großauftritte; Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann verbreitete Bilder, die
Überhöhung und persönliche Nähe miteinander verbanden. Als zugleich
überragender und volksnaher Retter inszeniert, verdeckte Hitler die
Institutionen und gesellschaftlichen Unterstützer der Diktatur.
Die Gefolgschaft beruhte nicht ausschließlich auf
Befehlen. Neben angeordnetem Jubel gab es freiwillige Begeisterung und
eigenständige Beteiligung. Geschäftsinhaber schmückten Schaufenster, Anhänger
reisten zu Auftritten, Millionen verbanden Hoffnungen mit Hitler. Bei den
organisierten Massenveranstaltungen stellten NSDAP, SA und SS wesentliche Teile
der aufgebotenen Gefolgschaft. Interessen von oben konnten wirksam werden, weil
sie gesellschaftlich aufgenommen und mitgetragen wurden.
Auch die materielle Verbindung zum Großkapital
blieb bestehen. Führende Unternehmer richteten 1933 die Adolf-Hitler-Spende als
System regelmäßiger Zahlungen zugunsten der NSDAP ein. Über die
Millionenbeträge entschied Hitler selbst. Während die Propaganda das Wirken
eines einzigartigen Retters beschwor, finanzierten wirtschaftlich Mächtige
seine Partei.
Erobertes
Land, entrechtete Menschen
Die Verbindung von Expansion und Vertreibung
hatte ebenfalls ältere Wurzeln. Heinrich Claß vom Alldeutschen Verband
verlangte schon 1912 die Entfernung ansässiger Bevölkerungen aus künftig
eroberten Gebieten. Seine Kriegszieldenkschrift von 1914 führte diese
Vorstellungen aus und forderte auch die Entfernung der Juden aus östlichen
Eroberungsgebieten. Menschen erschienen als Hindernis, wenn ihre Anwesenheit
die dauerhafte deutsche Beherrschung erschwerte.
Die faschistischen Europapläne radikalisierten
diesen Anspruch. Neben einem vergrößerten deutschen Reich waren abhängige
Gebiete vorgesehen, deren Bewohner als Arbeitskräfte dienen sollten.
Wirtschaftliche Kriegsziele formulierten unter anderem IG Farben, der Verein
der Eisenschaffenden Industrie und der Zeiss-Konzern; auch die Deutsche
Reichsbank erarbeitete entsprechende Zielvorstellungen. Auf der Seite des
Terror- und Herrschaftsapparats standen der Reichsführer SS Heinrich Himmler,
die SS, der Sicherheitsdienst und das Reichssicherheitshauptamt sowie der
Apparat des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums. Diese
Institutionen planten und betrieben die gewaltsame Umgestaltung der
unterworfenen Gesellschaften.
Heinrich Himmlers Denkschrift vom Mai 1940 sah
für die nichtdeutsche Bevölkerung im Osten nur minimale Schulbildung vor,
ausgerichtet auf einfache Arbeit und Gehorsam. Höhere Bildung sollte ihr
verwehrt bleiben. Die Besatzer wollten die Bevölkerung aufspalten und ihrer
Fähigkeit zur selbständigen politischen Organisation berauben. Unterentwicklung
war hier ein bewusstes Herrschaftsziel.
Vernichtung
als Politik
In Überlegungen zum Generalplan Ost der SS wurde
die mörderische Konsequenz greifbar. Eine Stellungnahme des Regierungsrats Dr.
Wetzel aus dem Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete behandelte die
Bevölkerungszahl und die Erneuerungsfähigkeit der russischen Bevölkerung als
Hindernisse deutscher Herrschaft. Wetzel bezog sich dabei auf Untersuchungen
des Rassenforschers Professor Abel. Erörtert wurden die Vernichtung der
russischen Bevölkerung oder die systematische Zerstörung ihrer Leistungsfähigkeit.
Die Ermordung der Juden konnte in solchen Berechnungen bereits vorausgesetzt
werden. Verwaltungssprache verwandelte Verbrechen in Planungsgrößen.
Die Ermordung der europäischen Juden ist deshalb
auch im Zusammenhang mit der gesamten Eroberungs- und Vernichtungspolitik zu
untersuchen. Das setzt Opfergruppen und Verfolgungswege nicht gleich. Es zeigt
eine Ordnung, die Menschen vollständig entrechtete und ihre Existenz dem
deutschen Herrschaftsanspruch unterwarf. Antisemitische Feindbilder und die
Absicht, jeden vermeintlichen Widerstand auszuschalten, verschärften sich
gegenseitig.
Aus älteren Vertreibungsforderungen allein lässt
sich kein bereits fertiger Mordplan ableiten. Erkennbar ist jedoch die
Kontinuität des Anspruchs, eroberte Räume durch die Entfernung unerwünschter
Bevölkerungen zu sichern. Die Analyse dieser Interessen erschließt einen
wesentlichen Zusammenhang der Verbrechen. Sie entlastet weder Hitler und
Himmler als politische Entscheidungsträger noch SS, Sicherheitsdienst und
Reichssicherheitshauptamt als beteiligte Institutionen.
Der
Zusammenbruch und die Flucht vor der Verantwortung
Der Krieg untergrub schließlich auch die Bindung
an Hitler. Als im Winter 1941 die Hoffnung auf einen schnellen Sieg im Osten
zerbrach, bekam sein Bild erste Risse. Mit Stalingrad zur Jahreswende 1942/43
wuchsen die Zweifel. Der Sicherheitsdienst der SS registrierte Distanz und eine
nachlassende Bereitschaft, die offiziellen Rituale mitzutragen. Spott über
Hitler und Goebbels machte die Runde. Auch Hermann Görings Ansehen als
Oberbefehlshaber der Luftwaffe wurde durch die Erfahrungen des Luftkriegs erschüttert.
Unter dem Vormarsch der Alliierten zerfiel 1945
die Gefolgschaft. Viele Menschen wollten überleben und lehnten den geforderten
gemeinsamen Untergang ab, den Goebbels noch in den letzten Kriegsmonaten
propagandistisch überhöhte. Kreis- und Ortsgruppenleiter der NSDAP suchten
selbst Auswege; andere Parteifunktionäre versuchten unterzutauchen.
Hitlerbilder, Uniformteile und Parteizeichen verschwanden aus Wohnungen.
Vielfach erfolgte die Abkehr erst angesichts der offenkundigen Niederlage.
Damit war noch keine gründliche
Auseinandersetzung mit den Verbrechen verbunden. Häufig richtete sich die
Anklage gegen vermeintliches Versagen im Krieg, gegen NSDAP-Funktionäre oder
einzelne Militärs. Besonders Göring und die Luftwaffe wurden für die Folgen des
Bombenkriegs verantwortlich gemacht. Die eigene Begeisterung und Beteiligung
wurden verdrängt. Gerade die vorherige Überhöhung Hitlers erleichterte nun die
Verlagerung aller Verantwortung auf seine Person.
Die Geschichte des deutschen Faschismus verlangt
deshalb den Blick auf die Kräfte hinter der Diktatur: auf Unternehmer wie Hugo
Stinnes, die demokratische Rechte ihren wirtschaftlichen Zielen opfern wollten,
auf nationalistische Organisationen wie den Alldeutschen Verband und die
Deutsche Vaterlandspartei sowie auf die politischen Netzwerke, die Hitlers
NSDAP förderten. Dazu gehören die rassistische Umlenkung sozialer
Unzufriedenheit, die Interessen an Eroberung und Unterwerfung, die
Verantwortung der Täter und die Mitwirkung ihrer Gefolgschaft. Die
Konzentration aller Schuld auf Hitler verdeckt, wie gesellschaftliche Macht in
organisierte Gewalt übersetzt wurde.

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