Verständnis für Faschisten











Verständnis für Faschisten – Wie Kriegspropaganda die Linke zersetzen soll

Wenn „Solidarität“ zur Reinwaschung wird

In Kriegszeiten wird Sprache zur Waffe. Begriffe wie „Solidarität“, „Selbstverteidigung“ oder „antifaschistische Tradition“ werden umgedreht, entkernt, neu etikettiert. Genau darin liegt die Gefahr der aktuellen „linken Ukraine-Solidarität“, die nicht bei humanitärer Hilfe stehenbleibt, sondern die Militarisierung moralisch auflädt – und dabei immer öfter offen reaktionäre Kräfte relativiert.

Der Skandal ist nicht nur, dass ukrainische Neonazis längst Teil staatlicher Machtapparate geworden sind. Der eigentliche Skandal liegt tiefer: Er liegt darin, dass diese Integration reaktionärer Kräfte Ausdruck einer Klassenstrategie ist, mit der herrschende Klassen in Krisenzeiten ihre Macht absichern. Der Skandal ist, dass Teile der deutschen Linken bereit sind, diese Realität zu beschönigen – bis hin zur Entschuldigung und Normalisierung faschistischer Milizen. Wer so handelt, leistet objektiv Beihilfe zur ideologischen Kriegsführung: Er macht einen imperialen Stellvertreterkrieg „linksfähig“.

Der konkrete Anlass: Tourneepolitik zur Entlastung von Asow

Im Zentrum der aktuellen Debatte steht eine Aktivistin, die laut Berichten seit 2025 mit Vorträgen durch linke Szeneorte tingelt, um einen „Mangel an linker Ukraine-Solidarität“ zu beheben und Vorurteile gegen das „ominöse Asow-Bataillon“ abzubauen. Das ist kein Randphänomen. Denn dort, wo solche Auftritte stattfinden, wird nicht nur Meinung produziert – dort wird ein politischer Kurswechsel eingeübt: Weg von konsequentem Antifaschismus, hin zur Kriegsbereitschaft.

Die Methode ist simpel: Man behauptet, Kritik an ukrainischen Neonazis sei „russische Propaganda“ oder „Desinformation“. Man stellt die Debatte nicht als antifaschistische Pflicht dar, sondern als „Problem“ fehlgeleiteter Linker. Damit wird die politische Hauptfrage verschoben: Nicht mehr Faschismus und Krieg sind das Problem, sondern die, die darüber sprechen.

Wer ist Asow – und warum ist „Vorurteilabbau“ politische Sabotage?

Wer heute von „Vorurteilen“ gegenüber Asow redet, will die Realität weichzeichnen.

Asow ist nicht irgendein „umstrittenes Bataillon“. Asow ist aus der ukrainischen Neonaziszene hervorgegangen, hat sich in der Nach-Maidan-Phase 2014 militarisiert und wurde staatlich integriert. Aus einem paramilitärischen Verband wurde erst ein Regiment, später Expansion in Brigade-Strukturen, eingebettet in Nationalgarde und reguläre Armee. Diese Entwicklung ist nicht bloß organisatorisch, sondern politisch: Sie zeigt, wie der Staat reaktionäre Kräfte nicht bekämpft, sondern benutzt.

Das ist keine „Schwäche“, sondern Funktion. Der bürgerliche Staat greift in Phasen verschärfter innerer und äußerer Konflikte immer wieder auf besonders brutale, ideologisch fanatisierte Kräfte zurück, um Eigentumsverhältnisse, Ausbeutung und geopolitische Interessen militärisch zu sichern. In Kriegszeiten brauchen Staaten schlagkräftige, ideologisch fanatisierte, gewaltbereite Kader, um Front und Hinterland zu disziplinieren. Faschistische Milieus liefern genau das: Hasspropaganda, Härte, Rekrutierung, paramilitärische Sozialisation.

Historischer Hintergrund:

Bandera-Tradition, Kollaboration und Staatsmythen

Der ukrainische Nationalismus hat eine lange und blutige Geschichte. Teile seiner Tradition beziehen sich auf Organisationen, die im Zweiten Weltkrieg mit dem deutschen Faschismus kollaborierten, an Pogromen und Massenmorden beteiligt waren und die antikommunistische Gewalt als „Befreiung“ umdeuteten. Dass bis heute Symbole, Parolen und Heldenkulte dieser Strömungen präsent sind, ist nicht „Folklore“, sondern politische Linie.


Wenn in linken Räumen der Gruß dieser Tradition normalisiert oder sogar als „Widerstandsromantik“ verkauft wird, dann ist die rote Linie überschritten. Antifaschismus ist nicht kompatibel mit dem Feiern von Kollaborateuren, egal wie viele neue Fahnen man über alte Verbrechen hängt.

„Antideutsche“ Treibhäuser: Wo die Umkehr des Antifaschismus geübt wird

Es ist kein Zufall, dass solche Vorträge in Milieus stattfinden, die seit Jahren die Umkehr des Antifaschismus betreiben: Antifaschismus wird dort nicht als Kampf gegen reaktionäre Gewalt und Kriegspolitik verstanden, sondern als ideologische Prügelkeule gegen alle, die die westliche Kriegsagenda kritisieren.

Dort wird ein immer gleiches Schema eingeübt: Wer NATO, Aufrüstung oder Waffenlieferungen kritisiert, soll angeblich die „Selbstverteidigung delegitimieren“. Wer Neonazis in der Ukraine benennt, wird beschuldigt, „russische Narrative“ zu reproduzieren. Und wer Krieg als Geschäft und Klassenfrage begreift, gilt wahlweise als „blind“ oder „desinformiert“. So wird linke Kritik entwaffnet, während Kriegsbereitschaft zur moralischen Pflicht umetikettiert wird.

Die zweite Säule:

„Radical Aid Force“ – humanitäre Fassade, militärischer Kern

Ein besonders entlarvendes Beispiel ist die Selbstdarstellung jener Gruppen, die nicht nur „Solidarität“ predigen, sondern den Krieg aktiv befördern.

Als Vorbild wird eine Struktur präsentiert, die Spenden sammelt – angeblich für humanitäre Hilfe, zugleich aber für den Erwerb von Rüstungsgütern. Die politische Stoßrichtung ist klar: „Bewaffnung bis an die Zähne“, inklusive Forderungen nach schweren Angriffswaffen. Damit wird die Rolle einer „Hilfsgruppe“ verlassen und der Schritt zur Kriegspartei vollzogen.

Besonders drastisch ist die begleitende Entmenschlichung: Hasspropaganda gegen russische Soldaten, Blutvideos, zynisch unterlegte „Party“-Ästhetik. Wer solche Bilder verbreitet, trainiert den moralischen Abstumpfungsprozess, der nötig ist, damit Kriege „normal“ werden.

Und wenn dann noch Fotos auftauchen, die zeigen, dass belieferten Einheiten Abzeichen banderistischer Milizen tragen, dann ist endgültig klar: Hier wird nicht „Solidarität“ organisiert, sondern die materielle Unterstützung eines militarisierten, reaktionären Projekts – mit offenem Flirt zu faschistischen Symbolwelten.

Institutionelle Komplizenschaft: Wenn Stiftungen Kriegstourneen adeln

Der eigentliche politische Sprengstoff liegt in der Frage: Wer gibt solchen Veranstaltungen Legitimation?

Wenn eine Partei- oder stiftungsnahe Struktur als Kooperationspartner auftritt, entsteht der Eindruck: Das sei seriös, geprüft, „links“. Genau das ist das Problem. Denn dadurch wird eine Linie normalisiert, die Antifaschismus zur Nebensache erklärt.

Die Begründung läuft regelmäßig über eine moralische Erpressung: Man müsse gegen „Desinformation“ sensibilisieren, russische Ideologie entlarven, „Verzerrungen“ historisch einordnen. In der Praxis bedeutet das: Kritik an ukrainischen Neonazis wird delegitimiert, während staatliche Integration und Aufrüstung als „Selbstverteidigung“ geadelt werden.

So wird eine Stiftung, die sich im Namen einer revolutionären Tradition schmückt, zum Transmissionsriemen einer Kriegsnarration.

Politische Flankierung:

Rechter Flügel der Linkspartei und das neue Kriegsverständnis

Dass solche Projekte im Umfeld von Teilen der Linkspartei Unterstützung finden, ist Ausdruck eines tieferen Problems: die Anpassung an den deutschen Staatskurs.

Die Logik ist bekannt: Man will „regierungsfähig“ wirken, man will nicht als „unsolidarisch“ gebrandmarkt werden, man übernimmt die Sprache der Außenpolitik, man akzeptiert das Grundnarrativ des Stellvertreterkriegs – und verliert dabei die Klassenperspektive.

Das Ergebnis ist eine Linke, die sich von unten nach oben ausrichtet: nicht an Arbeiterinteressen, nicht am Frieden, nicht am Kampf gegen reaktionäre Kräfte, sondern an der Anerkennung durch Medien, Stiftungen, Parlamente.

Politökonomie des Krieges: Krieg als Geschäft und Klassenstrategie

Kriege sind nie nur „Wertekonflikte“. Sie sind konzentrierter Ausdruck ökonomischer Interessen und Klassenherrschaft mit militärischen Mitteln. Wo diplomatische, parlamentarische und ideologische Mechanismen nicht mehr ausreichen, wird Gewalt organisiert. Sie sind Kämpfe um Macht, Einflusszonen, Rohstoffe, Kapitalströme, Schuldenregime, Absatzmärkte, Pipelinekorridore.

Der Stellvertreterkrieg in der Ukraine ist eingebettet in die Konkurrenz großer Machtblöcke. Die deutsche und westliche Politik verfolgt dabei handfeste Ziele: Sie will einen geopolitischen Gegner schwächen, militärische Infrastruktur ausbauen und das Land langfristig an westliche Kredit- und Eigentumsregime binden. Parallel werden neoliberale Umstrukturierungen durchgedrückt, während Rüstungsindustrie, Logistik, Energie- und Wiederaufbaukonzerne auf gigantische Aufträge setzen.

In diesem Rahmen sind reaktionäre Milizen nicht „Peinlichkeiten“, sondern Werkzeuge. Sie dienen als Stoßtrupps, als Disziplinierungsinstrument, als ideologischer Kitt der Mobilmachung.

Und genau deshalb ist ihre Entlastung politisch so gefährlich: Sie macht den Krieg anschlussfähig in Milieus, die sonst skeptisch wären.

Faschismus als Krisenlösung: Was die Geschichte lehrt

Faschistische Bewegungen steigen nicht im luftleeren Raum auf. Sie sind keine irrationalen Ausrutscher, sondern reaktionäre Antworten des Kapitals auf Zuspitzungen des Klassenkampfes. Sie gedeihen in Krisen, in denen das Kapital seine Herrschaft mit bloßen parlamentarischen Mitteln nicht mehr stabil genug sieht.

Historisch diente Faschismus dazu, Arbeiterorganisationen zu zerschlagen, Gewerkschaften zu vernichten, linke Parteien illegal zu machen, Kriegspolitik zu radikalisieren und die Gesellschaft militärisch zu formieren.

Wer das vergisst, wird anfällig für die Illusion, man könne Faschisten „einhegen“, „integrieren“ oder „strategisch nutzen“. Das Gegenteil ist wahr: Jede Normalisierung reaktionärer Kräfte ist ein Angriff auf die Arbeiterbewegung – im eigenen Land und international.

Die ideologische Operation: Klassenverrat im Namen des Antifaschismus

Die vielleicht perfideste Entwicklung ist die Umdeutung des Antifaschismus.

  • Statt zu sagen: „Kein Fußbreit den Faschisten“, heißt es plötzlich: „Übertreibt nicht, das sind Vorurteile.“

  • Statt zu sagen: „Keine Waffen für reaktionäre Kräfte“, heißt es: „Wer Waffenlieferungen kritisiert, spielt dem Feind in die Hände.“

  • Statt zu sagen: „Krieg ist Klassenpolitik“, heißt es: „Das ist eine moralische Pflicht.“

Damit wird Antifaschismus von einer kämpferischen, klassenorientierten Praxis zu einer Loyalitätsprüfung gegenüber dem staatlichen Kriegsnarrativ. Wer sich ihm verweigert, wird ausgegrenzt; wer sich unterordnet, darf weiter das Etikett „links“ tragen.

Was echte Solidarität bedeutet

Solidarität heißt nicht, Staaten und Armeen zu unterstützen. Solidarität heißt, die Interessen der arbeitenden Menschen zu verteidigen – gegen alle herrschenden Lager. Das verlangt eine klare Absage an Militarisierung, Waffenlieferungen und Kriegspropaganda. Es verlangt ebenso die Absage an Entmenschlichung, gleich gegen wen sie sich richtet, und an jede Reinwaschung von Neonazis, unter welcher Flagge auch immer. Solidarität meint Unterstützung für Deserteure, Kriegsgegner und Verweigerer, den Kampf gegen Repression, Überwachung und Zensur und den Aufbau internationaler Verbindungen der Arbeiterklasse statt nationaler Kriegsbegeisterung.

Wer „Solidarität“ an die Bedingung knüpft, sich zur Bewaffnung eines Staates zu bekennen, macht aus Solidarität ein Rekrutierungsinstrument.

Aufgaben der Linken: Klarheit, Organisation, Widerstand

Die Linke steht vor einer Entscheidung: Entweder sie lässt sich in die Kriegslogik hineinziehen – oder sie baut Widerstand auf.

Dazu braucht es Klarheit. Faschismus bleibt der Feind: kein Relativieren, kein „Kontextualisieren“, kein „Vorurteilabbau“. Krieg ist Geschäft: Rüstung, Kredite, Wiederaufbau und Energiemärkte bestimmen die Agenda, die Profiteure sitzen nicht in den Schützengräben. Staat und Stiftungen sind keine neutralen Räume; wer ihre Sprache übernimmt, übernimmt ihre Ziele. Und Antifaschismus ist untrennbar mit dem Kampf gegen imperialen Krieg verbunden – alles andere ist Dekoration.

Und dazu braucht es Organisation: in Betrieben, in Stadtteilen, in Gewerkschaften, in Bildungsarbeit – gegen die tägliche Propaganda.

Klassenstandpunkt oder Kriegsloyalität

Wer in linken Räumen Verständnis für Faschisten organisiert, betreibt politische Sabotage. Der Versuch, Asow und ähnliche Kräfte zu entlasten, ist nicht „Debatte“, sondern eine Operation: die moralische Vorbereitung weiterer Eskalation.

Heute ist es der „Vorurteilabbau“. Morgen ist es die Forderung nach noch schwereren Waffen. Übermorgen ist es die offene Zustimmung zum nächsten Krieg.

Die rote Linie muss stehen. Eine Linke ohne Klassenstandpunkt wird zum Anhängsel der herrschenden Ordnung. Kein Kriegskurs, keine Reinwaschung, kein Schulterschluss mit reaktionären Kräften – sondern Widerstand gegen Krieg, Ausbeutung und autoritäre Formierung.





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